Schluss mit fragwürdigen Gesundheitstipps #127


Beim Thema Gesundheit muss man mittlerweile wirklich aufpassen, woher man seine Informationen bezieht.

Sowohl im Internet als auch Old-School im Buchhandel gibt es ein schier unendliches Informationsangebot.

Es wird immer schwieriger, gut recherchierte Inhalte von zwar gut gemeinten, aber gefährlichen Ratschlägen oder gar Fake News zu unterscheiden.

Deshalb wollen wir dir heute nochmal ein paar Hilfestellungen mitgeben, die auch uns bei unseren Recherchen helfen.

Viel Spaß beim lesen!

Christoph

In dieser Ausgabe:

🚨 Schluss mit fragwürdigen Gesundheitstipps

🩸 Warum du diesen Wert kennen solltest

📰 Fundstücke der Woche

BILDUNG

🚨 Schluss mit fragwürdigen Gesundheitstipps

Das Internet mit seinen unendlichen Informationen ist ein Segen für unsere Gesundheit. Gleichzeitig ist es aber auch ein Minenfeld.

Zwischen bahnbrechenden Studien und gefährlichem „Schlangenöl“ liegt oft nur ein einziger Klick. Besonders im Bereich Longevity vermischen sich oft handfeste Fakten mit gewagten Versprechungen.

Damit du in Zukunft nicht mehr raten musst, ob ein Artikel, ein Post oder ein Video deine Zeit wert ist, haben wir eine einfache Schablone erstellt.

Die „Skeptiker-Schablone“

Bevor du eine Gesundheits-Information glaubst, darauf basierend etwas kaufst oder gar dein Verhalten änderst, jage sie durch diese fünf Filter:

1. Expertise

Von wem stammt die Information? Gibt es ein Impressum oder ein Autorenprofil mit medizinischem/wissenschaftlichem Hintergrund?„Ein anonymer Biohacker“, „Insider-Tipps“ oder rein werbliche Seiten ohne Verantwortliche sind ein schlechtes Zeichen.

2. Quellen

Werden Studien direkt verlinkt? Wird nur von „einer neuen Studie“ gesprochen, ohne Link oder genaue Benennung der Forscher, ist das oft ein schlechtes Zeichen.

3. Sprache

Klingt es zu gut, um wahr zu sein? Werden Wörter wie „Wunder“, „Heilung“ oder „sofort“ benutzt? Absolute Aussagen sind immer ein Warnsignal, wer seriös ist spricht fast immer in Wahrscheinlichkeiten und zeigt Einschränkungen auf.

4. Aktualität

Von wann ist die Information? Sind die zitierten Daten (z.B. verlinkte Studien) älter als 5–10 Jahre, obwohl es in dem Bereich neuere Erkenntnisse gibt, ist das ein schlechtes Zeichen.

5. Absicht

Will mir die Seite primär etwas verkaufen (z.B. genau das Supplement, um das es geht)? Wenn Information und Shop zu stark verschmelzen, ist Vorsicht geboten (Interessenskonflikt).

Warum 100 % Sicherheit eine Illusion ist

In der Wissenschaft gibt es selten das eine, unveränderliche Gesetz. Wenn du dich mit Gesundheit beschäftigst, wirst du auf drei Ebenen stoßen:

Gesichertes Wissen
Das Fundament. Zum Beispiel, dass Rauchen die Lunge schädigt oder Bewegung das Herz stärkt. Hier ist die Datenlage durch tausende Studien eindeutig.

Wahrscheinliches Wissen
Hierzu gehören viele Longevity-Themen (z.B. spezifische Fasten-Protokolle oder bestimmte Wirkstoffe). Die Hinweise sind stark, aber die finale Bestätigung durch jahrzehntelange Humanstudien steht oft noch aus.

Spekulativer Bereich
Das „Spitzenfeld“. Oft basierend auf Tierversuchen (Mäuse/Hefezellen). Spannend, aber absolut nicht gesichert für den Menschen.

Unser Rat

Sei besonders kritisch, wenn jemand spekulatives Wissen als absolut gesichertes Wissen verkauft. Wer wirklich seriös ist, macht keine absoluten Versprechen.

Wenn du das nächste Mal über eine Schlagzeile stolperst, die ein „neues Superfood gegen Alterung“ anpreist: Klicke auf die Quelle.

Wenn du dort nur auf einen Shop landest und keine echte wissenschaftliche Studie findest, kannst du den Tab getrost wieder schließen.

Bleib neugierig, aber bleib skeptisch.

PRÄVENTION

🩸 Warum du diesen Wert kennen solltest

Ich habe vor ein paar Wochen ein paar Blutwerte im Labor checken lassen, unter anderem das sogenannte Lipoprotein(a), kurz Lp(a).

Vereinfacht gesagt ist Lp(a) ein LDL-Partikel (das „schlechte“ Cholesterin), das einen zusätzlichen, klebrigen Eiweiß-Rucksack trägt (das Apolipoprotein(a)). Dieser Rucksack macht das Partikel besonders gefährlich:

  1. Es ist entzündungsfördernd: Es lagert sich leichter in den Gefäßwänden ab.
  2. Es ist thrombosefördernd: Es erschwert die Auflösung von Blutgerinnseln.

Peter Attia, einer der führenden Experten für Langlebigkeit, wird hier oft sehr deutlich:

„Lp(a) ist der wichtigste vererbte Risikofaktor für Herzkrankheiten, von dem die meisten Menschen noch nie gehört haben. Es ist im Grunde ein LDL-Partikel auf Steroiden.“

Dein Lp(a)-Spiegel ist zu ca. 90 % genetisch festgelegt. Anders als beim normalen LDL-Cholesterin kannst du deinen Lp(a)-Wert durch Diät oder Training kaum beeinflussen.

Er bleibt über dein gesamtes Leben hinweg weitgehend stabil. Deshalb lautet die wissenschaftliche Empfehlung: Jeder Erwachsene sollte diesen Wert mindestens einmal im Leben bestimmen lassen.

Die wissenschaftliche Realität

Wissenschaftlich ist gesichert, dass ein hoher Lp(a)-Wert (über 30–50 mg/dL) das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle massiv erhöht. Es ist ein kausaler Treiber für Arterienverkalkung.

Allerdings müssen wir hier kritisch bleiben: Es gibt aktuell noch kein zugelassenes Medikament, das Lp(a) gezielt senkt und dadurch nachweislich das Herzrisiko mindert.

Wir befinden uns hier im Bereich der Forschung; moderne RNA-Therapien werden gerade erst in großen Studien getestet. Klassische Statine helfen hier nicht.

Wenn du erfährst, dass dein Lp(a) erhöht ist (meist ab Werten über 30–50 mg/dL bzw. 75–125 nmol/L), ist das kein Grund zur Panik, aber ein Grund zum Handeln.

Da wir Lp(a) selbst noch nicht direkt „ausschalten“ können, lautet die Strategie: Alle anderen Risikofaktoren eliminieren. Das bedeutet:

  • Das „normale“ LDL bzw. ApoB so weit wie möglich senken.
  • Den Blutdruck perfekt einstellen.
  • Entzündungen im Körper minimieren.

Lp(a) zu kennen, gibt dir die Kontrolle zurück. Es ist der Unterschied zwischen „Ich glaube, ich bin gesund“ und „Ich kenne mein genetisches Profil und handele danach“.

FUNDSTÜCKE DER WOCHE

Wie du medizinische Fake-News erkennst (🇩🇪; 4 min 📺)

Passend zum heutigen Titelthema kann ich dir dieses Kurzvideo vom Stoffwechsel_Doc ans Herz legen. Der Kollege ist ein echter Experte und sortiert auf Instagram allerhand Gesundheitstipps kritisch ein.

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Du willst dir Dinge leichter merken? Der Artikel zeigt sechs Methoden, die dein Erinnerungsvermögen im Alltag spürbar stärken sollen.

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